Das erste Mal auf Rüden-Suche

Am 19.08.2018 wurde Cataleya ohne Auflagen angekört. Ab 22. August konnte ich im Zuchtdaten-Programm erkennen, welche Rüden als mögliche Partner für Cataleya ermittelt wurden.

 

Mir war vorher klar, dass die Suche langwierig, zeitaufwändig und schwierig werden würde. Zum einen stöhnten ja alle Züchter ständig darüber und zum anderen habe ich mich vorab schon ziemlich intensiv mit dem Thema Zucht befasst. Daher dachte ich, mich könne diesbezüglich nichts schocken oder frustrieren. Weit gefehlt...


Am 22.08.2018 zeigte mir das Zuchtprogramm zwar 134 theoretisch mögliche Partner für Cataleya an, aber diese recht hohe Anzahl spiegelt die Realität leider überhaupt nicht wider: Bereits nach der ersten Schnellsichtung (ungefähr ein Tag Aufwand) musste ich mehr als Dreiviertel aller Rüden von der Liste streichen.

 

Das hatte vielfältige Gründe:

  • Bei Cataleyas ersten Deckakt möchte ich nicht die hohen Kosten für einen in Schweden oder Finnland lebenden Rüden in Kauf nehmen; ganz zu schweigen von dem weiteren Aufwand bei einer Auslandsverpaarung. Zunächst möchte ich wissen, wie es um Cataleyas Fertilität steht. Durch diese Entscheidung konnte ich direkt mal 68 Rüden von der Liste streichen.
    Ratzfatz war die Liste damit schon mal um mehr als die Hälfte gekürzt...
  • 1 Rüde war leider an Epilepsie erkrankt.
  • Bei 11 weiteren möglichen Partnern wäre das Epilepsie-Risiko der gemeinsamen Kinder zu hoch gewesen.
  • Weitere 8 Rüden musste ich von der Liste nehmen, weil der Verwandtschaftsgrad zu eng ist.
  • Da Cataleya HFH-Anlageträger ist, fielen weitere 6 Rüden, die ebenfalls HFH-Anlageträger sind, raus.
  • 2 der vorgeschlagenen Rüden hatten ihre maximale Anzahl von Decksprüngen erreicht.
  • 1 Rüde würde sich zu Cataleyas voraussichtlichem Hochzeitstermin gerade in seiner Deckpause befinden.
  • 1 in Frage kommender Rüde wurde zwischenzeitlich leider kastriert.
  • 1 weiteren Rüden habe ich ausgeschlossen, weil er zum voraussichtlichen Deckakt fast 17 Jahre alt sein würde.
  • Und 3 weitere, mir bzw. Cataleya vorgeschlagene Rüden musste ich aus einem total schnöden Grund streichen:
    Es waren einfach keine vernünftigen Daten im Zuchtprogramm hinterlegt. Nicht einmal so etwas wie das Geburtsdatum dieser Rüden. Damit ist für mich eine gewissenhafte Prüfung nicht möglich, weshalb diese Rüden für mich ausscheiden.

Das Ergebnis von einem Sichtungstag: Von ursprünglichen 134 Kandidaten blieben schon nur noch 32 Rüden über.


Das bedeutete jedoch nicht, dass ich aus diesen 32 Rüden frei wählen konnte. Das wäre ja zu schön gewesen... Jetzt ging die Arbeit eigentlich erst richtig los:

 

Nun musste ich Informationen in der Zuchdatenbank recherchieren, die ich nicht auf den Blick erkennen konnte, wie zum Beispiel: 

  • Welche schwerwiegenden Erkrankungen tauchen in der Linie des jeweiligen Rüdens auf?
  • Wie passt das zu Erkrankungen bei Cataleyas Ahnen?
  • Hat der Rüde bereits Nachkommen? Wenn ja, sind diese bisher gesund?
  • Haben Geschwister des Rüdens bereits Nachwuchs? Ist dieser gesund?
  • Wie ist das Wesen des Rüdens, seiner Eltern und seiner Geschwister?
  • Wie passt der Rüde optisch zu Cataleya? (Größe, Ohren, Felllänge, Farbintensität der Abzeichen, Forellenflecken, Augenfarbe sowie Pigment der Lefzen, Nasen und Augen, ...)
  • Wie sehen seine bisherigen Welpen aus? Und seine Geschwister und Eltern?
  • Ist anderen Züchtern noch etwas über den jeweiligen Rüden bekannt, was ich noch nicht in Erfahrung bringen konnte?
  • Passt unser voraussichtlicher Deckzeitpunkt zum Terminkalender des Rüden?

Es kostete mich einige Zeit, die verbliebenen 32 Rüden hinsichtlich Autoimmun-Erkrankungen, von-Willebrandt, Epilepsie, Cystinurie sowie Patella-Luxation der jeweiligen Geschwister und der direkten Ahnen über 3 Generationen genauer anzuschauen.

  • 12 dieser Rüden hatten erkrankte Vorfahren in der der direkten Linie (Eltern, Groß-Eltern oder Urgroßeltern).
  • Bei 9 weiteren Rüden war leider jeweils mindestens ein Bruder oder eine Schwester erkrankt.

Also strich ich auch diese 21 Rüden von meiner Liste und es waren nur noch 11 Rüden verblieben.


Aber auch das ist noch nicht die "Creme de la Creme". (Selbstverständlich bezieht sich diese Aussage nur auf die mögliche Verpaarung mit Cataleya!)

 

Meine Recherche in der Zuchtdatenbank ging also weiter:

 

Nun verbrachte ich mehrere Tage damit, mir auch die Geschwister der Ahnen sowie deren Kinder hinsichtlich auffälliger Krankheiten sowie eventueller Zuchtauflagen anzuschauen.

  • Bei 3 Rüden erschienen mir die Erkrankungen über die weitere Verwandtschaft der Ahnen leider ziemlich fragwürdig.
  • 1 Rüde hat selber eine so helle Augenfarbe, dass er die Zuchtauflage erhalten hat, lediglich mit Partnerinnen mit dunkelbraunen Augen Nachwuchs zu zeugen. Laut ihrer Körung hat Cataleya mittelbraune Augen. Also darf sie diesen Rüden auch nicht heiraten.

Demnach verschwanden weitere 4 Rüden von meiner Auswahlliste. Da waren es nur noch 7 Rüden.


Einer meiner 7 verbliebenen Favoriten (aus Dänemark) hatte noch keinen HFH-Gentest gemacht. Sollte er diesen nicht machen wollen oder aber sich herausstellen, dass er ebenfalls HFH-Anlageträger ist, würde ich auch diesen Rüden von meiner Liste streichen müssen.


Was mich nun noch interessierte, zeigte mir das Zuchtprogramm leider nicht an. Bisher hatte ich mein Augenmerk ausschließlich auf die Gesundheit und eventuelle Zuchtauflagen der Rüden gelegt. Erst jetzt fing ich an, auch das Wesen und das Aussehen der Rüden, der eventuellen Nachkommen, Geschwister und Ahnen in meine Entscheidung einfließen zu lassen.

 

Also durchforstete stundenlang das Internet nach Kromi-Homepages, um noch mehr über die auf meiner Liste verbliebenen Rüden sowie deren Geschwistern, Ahnen und eventuellen Nachkommen in Erfahrung zu bringen. Einige Informationen fand ich dort, aber natürlich nicht alles. 

 

Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, sehr gut in der "Kromi-Familie" vernetzt zu sein. Denn ab diesem Zeitpunkt war ich auf das Wissen und die Erfahrung anderer Züchter angewiesen. Also glühten nun die Funkmasten, wenn wir stundenlang am Telefon über die einzelnen Rüden diskutierten.

 

Nach mehreren solcher intensiven Unterhaltungen strich ich 2 weitere Rüden von meiner Liste, weil die beiden vom Wesen her nicht so zu sein schienen, wie ich es mir für die Palaneri's wünsche und erhoffe. Somit verblieben nur noch 5 Rüden in meiner Auswahl.

 

Cataleya wurde zwar ohne Auflagen angekört, jedoch hatte sie als Junghund "ordentlich Ohren", was sich im Alter von ungefähr zwei Jahren - dem Himmel sei Dank - wieder legte. Aber mit dem Wissen darüber, rückt ich bei den nun verbliebenen Rüden trotzdem die Ohrhaltung der Rüden in meinen Fokus.

 

Darüberhinaus ist Cataleyas so intensives Braun von der Geburt im Laufe der Zeit leider sehr verblasst - vor allem im Gesicht. Daher achte ich auch auf die Farbe der Abzeichen bei den Rüden.

 

Aber das sind ja nur optische Kriterien. Gesundheit und Wesen ist mir da wesentlich wichtiger. Daher sind Ohren und Farbe kein Ausschlusskriterium, nehmen jedoch unter anderem Einfluss auf die "Platzierung".


Über Weihnachten purzelte auch der Däne (wie fast befürchtet) von meiner Liste: Leider ist er auch HFH-Träger und kommt somit leider nicht für Cataleya in Frage.


Die 4 Rüden, aus denen ich nun noch wählen kann, werde ich in den nächsten Tagen anrufen - na gut, ich werde wohl doch eher mit deren Menschen sprechen. Ich werde erfragen,

  • ob sie sich einen Deckakt mit Cataleya vorstellen können und
  • ob sie im Juni 2019 Zeit für uns haben.
  • Außerdem ist mir wichtig, den Rüden und seine Menschen vorab persönlich zu treffen und kennenzulernen. Schließlich möchte ich mir ein eigenes Bild verschaffen und mich nicht nur auf die Aussagen anderer Züchter verlassen.
  • Es kann ja theoretisch auch sein, dass sich Cataleya und der Rüde gar nicht mögen?!
  • Ganz zu schweigen von der Möglichkeit, das die Menschen des Rüden die von mir angedachte Verpaarung vielleicht Überhaupt nicht "perfekt" finden und den Heiratsantrag ablehnen.

Inzwischen durften Cataleya und ich die Rüden kennenlernen und sendeten anschließend unsere Zuchtabsichtserklärung an den RZVIm schlimmsten Fall wird noch mal alles über den Haufen geworfen, indem der Zuchtausschuss meine Auswahl ablehnt. Im besten Fall halte ich in ein paar Wochen (hoffentlich) die Genehmigung in den Händen.


Fazit

Bin ich so froh, dass Cataleya ohne Auflagen angekört wurde! Würden ihr Zähne fehlen oder Ähnliches, wäre tatsächlich nur noch ein einziger Rüde übrig geblieben! 

 

Vier Monate "Rüden-Recherche" und von 134 theoretisch denkbaren Partnern für Cataleya bleiben nur noch 4 Rüden übrig. Wahnsinn, oder? Und ja, auch ich war während der Suche ein paar Mal sehr frustriert!

     
 

 

Das zeigt (an einem praktischen Beispiel) noch einmal sehr deutlich, wie dringend gesunde Kromi-Rüden in der Zucht gebraucht werden! Zurzeit werden mehr Hündinnen angekört als Rüden. Und ich verstehe wirklich nicht, warum?! Für eine gut und breit aufgestellte Zucht müssten deutlich mehr Rüden als Hündinnen in der Zucht sein, um für jede Hündin die "perfekten" Rüden zu finden.

 

Denn meist sollen die Hündinnen ja auch nicht nur einmal Nachwuchs bekommen, weshalb sie auch mehrere "passende" Rüden benötigt. Bleiben wir beim Beispiel Cataleya: ganze 4 (mehr oder weniger) gut passende Rüden. Davon 2 schon in reiferem Alter, die vielleicht für spätere Würfe dann schon zu alt sein könnten?!

 

Sprich: Wenn nicht noch neue, passende Rüden in die Zucht kommen, bleiben nur noch 2 Rüden für weitere Palaneri's. Wenn diese auch bei anderen Hündinnen den perfect Match darstellen, haben sie schneller ihre erlaubte Anzahl an Decksprüngen erreicht, als man gucken kann. Und dann? Dann gibt es keinen Deckrüden mehr für Cataleya... und auch keine Palaneri's mehr...

 

Und so wie Cataleya geht leider ganz vielen Hündinnen.

 

 Es gibt so viele, tolle Kromi-Rüden.

Bitte liebe Kromi-Rüden-Menschen: 

Lest meinen Aufruf und geht mit euren Jungs zur nächsten Körung!