Der Welpe im neuen Zuhause

Sozialisierungsphase

8. - 16./18. Woche

Mit acht Wochen hat sich das Welpengehirn ungefähr zu 50 % entwickelt. Bis zur 16./18. Woche sind circa 80 % erreicht. Danach verlangsamt sich die Gehirnentwicklung deutlich. Deshalb ist es so wichtig, dass der Welpe bis dahin so viele positive Sozialisierungserfahrungen wie möglich macht. Und zwar auch außerhalb der Geschwistergruppe! Denn auch später müssen sie sich der Welt allein - ohne den Schutz des Rudels - zurecht finden. Je nach Größe eines Wurfs kann ein Züchter dieser Aufgabe meines Erachtens nun kaum noch gerecht werden. Deshalb verlassen die Palaneri's ab ihrem 60. Lebenstag unser Haus und ziehen bei ihren neuen Palaneri-Eltern ein.

 

Der Welpe beginnt jetzt, seine Umwelt zu entdecken und sich in die Rangordnung einzufügen. Alles was er jetzt lernt, lernt er sozusagen fürs Leben. Im wild lebenden Rudel würde der Welpe jetzt vom Rüden erzogen und genau diese Aufgabe müssen nun wir Menschen übernehmen. Ist der Welpe auch noch so süß … es ist in dieser Zeit absolut notwendig dem Welpen zwar liebevoll, aber auch äußerst konsequent seine Grenzen aufzuzeigen.

 

Der Welpe soll zu einem sozialen Mitglied der Hunde- und Menschengesellschaft erzogen werden. Die Rolle des Erziehenden wurde von der Mutterhündin an den Menschen abgegeben. Die große Neugier, Aufgeschlossenheit und Lernfähigkeit der Welpen sollten wir uns dabei unbedingt zunutze machen. Der positive Kontakt zu anderen Welpen, Menschen aber auch neuen Geräuschen, unterschiedlichen Bodenbelägen, anderen Tieren etc. ist unerlässlich. Der Welpe muss weiterhin mit allem Möglichen positiv vertraut gemacht werden, damit er gut auf sein weiteres Leben vorbereitet ist. Hier sind die neuen Besitzer gefragt, die von mir begonnene Sozialisierung erfolgreich fortzuführen und zu festigen.

Diese Zeit ist die wichtigste Zeit für den Welpen mit uns Menschen - auch für unsere Bindung.

Tiefe und Umfang der sozialen Partnerschaft zwischen Mensch und Hund werden eben jetzt in der Sozialisierungsphase unwiderruflich geprägt und wirken für alle weitere Zukunft auf fast alle Eigenschaften des Hundes ein.

 

Wer das gerade in dieser Zeit, in der der Welpe seine sozialen Antriebe verwirklicht und ausbaut, nicht sehr bedacht fördert, der macht sich dem Hund gegenüber schuldig. Alle in dieser Zeit, durch falsche Behandlung erfahrenen Unsicherheiten und Ängste sind nach dieser Phase kaum mehr rückgängig zu machen und wirken in der Hundeseele sein ganzes Leben nach. Auch die angebliche "Wesensschwäche" so vieler Hunde beruht häufig auf Erziehungsfehlern während der Sozialisierungsphase, in der zumeist viel zu wenig mit dem Hund gespielt, dafür um so mehr "dressiert" wird.

 

Allgemein sollte keinesfalls der Bogen überspannt werden und nun ein Full-Time-Ausbildungsprogramm gestartet werden. Auch Überforderung kann zu späteren Problemen führen. Ich finde zu dieser Zeit die BEziehungsarbeit wesentlich wichtiger als die ERziehungsarbeit. Sitz, Platz, Bleib und so weiter - das sind alles Sachen, die dein Hund problemlos später noch lernen kann.