Klare Regeln

oder: Warum überhaupt Regeln für einen Hund?

Manche Menschen finden es vielleicht unangemessen, aber eigentlich lassen sich Hunde und Kinder doch ganz gut miteinander vergleichen:

 

Ähnlich wie kleine Kinder wissen junge Hunde häufig nicht, wann ihnen die Geschehnisse des Tages eigentlich zu viel sind. Gerade Kromis drehen gerne richtig auf, geben Vollgas und wirken, als hätten sie einen Heidenspaß. Aber eigentlich sind sie schon längst "drüber". Meine Mutter sagte damals immer zu mir: "Bis einer weint...!", denn das ist der Moment, in der die Situationen häufig kippen und ernst werden. Kinder heulen dann, werden laut, (etwas) zickig oder bockig. Das ist nicht ungewöhnlich. Auch Hunde finden im wilden Spiel mit anderen Hunden oft von alleine kein Ende oder haben kurz vor der Ruhephase am Abend noch mal "ihre 5 Minuten".

 

Auch das kennst du bestimmt von Kindern: Sie wollen einfach nicht ins Bett, weil es doch gerade so schön ist und sind empört, wenn man es dann doch einfach durchsetzt, bevor sie dann doch nach spätestens 3 Minuten in einen komatösen Schlaf fallen. So ist es auch bei deinem Welpen. Er kennt seine eigenen Grenzen noch nicht und es ist gefährlich für seine Gesundheit, wenn er sie dauerhaft überschreitet. Hier solltest du dem Ganzen Einhalt gebieten und ihn auch ruhig mal mit sanfter "Gewalt" zur Ruhe nötigen.

 

Es ist ein Irrglaube, dass es ein Hund mit vielen Freiheiten besser hat, als einer, dem man einen klaren Rahmen bietet, innerhalb dessen er sich bewegen darf. Denn dieser Rahmen schafft Sicherheit und der, der den Rahmen aufstellt und auf die Einhaltung von Regeln besteht ist jemand, an dem man sich orientieren kann, auch wenn man mal Probleme hat. Oder ist es in deinem Interesse, dass dein Kromi sich später mit allen Hunden anlegt, weil er glaubt alles selber regeln zu müssen? Das kann böse enden, denn spätestens wenn dein Hund Ernst macht, kommt das Ordnungsamt ins Spiel. Also ist es besser, dem Hund von Anfang an zu vermitteln, welches Verhalten erwünscht ist und welches nicht.

 

Auch das lässt sich wieder gut mit Kindern vergleichen: Wie verhalten sich denn Kinder, die alles bekommen, was sie wollen? Ich erlebe sie meist als nervig, unbeherrscht und schwer zu ertragen. Die Kinder selbst sind oft alles andere als zufrieden. Sogar Studien zeigen, dass die Kinder am glücklichsten sind, denen zwar klare Grenzen gesetzt werden, die aber dennoch liebevoll und wohlwollend von Ihren Eltern begleitet werden. Genau das brauchen auch unsere Hunde.

 

Hunde ohne Grenzen suchen diese oft - und diese Suche ufert nicht selten aus, bis es eskaliert.

Welche Regeln sind sinnvoll?

Diese Frage kannst du dir nur selbst beantworten. Was ist dir wichtig? Worauf legst du Wert? Wie benehmen sich Hunde, die du als angenehme Begleiter empfindest? Welches Verhalten wünscht du dir von deinem Palaneri, wenn Besuch kommt oder wenn ihr irgendwo zu Besuch seid? Welche Erfahrungen hast du selbst schon mit Hunden gesammelt? Was ist für dich ein No-Go?

 

Für mich ist es extrem wichtig, dass sich meine Kromis im Alltag sicher so verhalten können, dass sie anderen Menschen entweder gar nicht oder möglichst nur positiv auffallen. Damit ich dies erreiche, gibt es für meine Hunde Regeln, die von ihrem allerersten Tag bei mir gelten. Diese Rechte und Regeln sollten gut durchdacht sein. Änderst du die Regeln, ist dein Palaneri verwirrt und weiß nicht mehr, wie er sich richtig verhalten soll.

 

Bevor dein Palaneri bei dir einzieht, solltest du dir also über einiges klar werden. Nimm dir ausreichend Zeit dafür. Sammele erst ein mal wichtige Punkte, bevor es an die Aufgabenverteilung geht. Wenn du mit deinem Kromi alleine lebst, stellen sich viele der nachfolgenden Fragen überhaupt nicht, weil du der einzige Mensch bist, der dies alles erledigen kann. Besteht deine Lebensgemeinschaft jedoch aus mehreren Menschen, ist es wichtig von Beginn an klare Regeln für das harmonische Zusammenleben aufzustellen, an die sich jeder Mitbewohner halten muss.

 

Gerade wenn Kinder und Jugendliche in die Betreuung des Hundes eingebunden werden, hat sich ein "schriftlicher Vertrag", der von allen unterschrieben wird, bezahlt gemacht: So werden gemeinsam Regeln festgelegt, auf die man sich berufen kann und die nicht jedes Mal neu diskutiert werden müssen. Ein Verweis auf den selbst verhandelten und unterschriebenen Vertag erleichtert dies häufig. Da sich die Bedürfnisse eines jungen Hundes gerade anfangs häufig ändern, ist es vermutlich erforderlich diesen Vertrag innerhalb der ersten ein bis zwei Lebensjahre alle paar Monate neu aufzusetzen.

 

Auch ein Zeitplan kann zumindest für die ersten Wochen, bis sich alles eingespielt hat, Sinn machen. So weiß jeder, wann er mit was dran ist. Dein Palaneri wird sich sicher nicht nach einer bestimmten Uhrzeit richten. Insofern sollte der Plan nicht zu detailliert sein. Eine Einteilung in vormittags, nachmittags, abends und nachts dürfte für die meisten Aufgaben ausreichend sein.

 

Aufgestellte Regeln gelten für jedes Familienmitglied.

 

 

Nachfolgend habe ich dir einige Denkanstöße aufgeschrieben:

Diese Entscheidung bedeutet keinesfalls, dass die anderen von der Hunde-Erziehung ausgeschlossen sind. Im Gegenteil!

 

Damit dein Palaneri schnell lernt, was erwünscht ist und was nicht, ist es wichtig, dass sich alle an die Vereinbarungen halten. Unterschiedlicher Umgang mit seinem gleichen Verhalten verwirrt den Kromi schnell, überfordert ihn und er kann sich gar nicht richtig verhalten. Aber einer muss sich den Hut aufsetzen; und das sollte bitte kein minderjähriges Kind sein.

 

Mit dieser Frage wird auch geklärt, wer mit dem Palaneri in die Hundeschule geht und das Erlernte in erster Linie zu Hause weiter übt und festigt. Auch ist dieser Mensch dafür verantwortlich, den anderen Mitbewohnern, neu Erlerntes zu erläutern, damit alle dies berücksichtigen.

 

Auch sollten die Signale verabredet werden.


Hier hilft anfangs vielleicht wirklich so etwas wie eine Übersicht, bis sich bei euch alles eingespielt hat.

 

Denke daran, dass dein Palaneri die Stubenreinheit erst noch trainieren muss. Du wirst dich zumindest anfangs sehr an seinen Drang anpassen müssen.

 

Insofern ist es hilfreich lediglich grob zu planen:

  • Wer hat den Nachtdienst?
  • Wer geht morgens nach dem Aufwachen?
  • Wer übernimmt den Vormittag?
  • Was ist mit der Mittagspause?
  • Wer kümmert sich nachmittags darum, dass der Kromi sich nicht im Haus entleeren muss?
  • Wer geht die Gassi-Runde am Abend?
  • Und wer lässt sich den Hund noch mal erleichtern, bevor es in die Nachtruhe geht?

Zur Vermeidung von unnötigen Diskussionen ist es hilfreich, vorab auch die Dauer der jeweiligen Gassi-Runden zu vereinbaren.


Wenn dein Palaneri bei dir einzieht benötigt er noch 3 - 4 tägliche Mahlzeiten. Morgens, mittags, abends. Eventuell noch eine am Nachmittag oder vor der Schlafenszeit.

 

Wer übernimmt das Füttern? Auch das passt gut in einen Übersichtsplan. Damit dabei nichts schiefgeht, sollte auch ein Futterplan aushängen: Zu welcher Mahlzeit bekommt dein Palaneri wieviel von welchem Futter?

 

Auch sollte geregelt sein, wer darauf aufpasst, dass immer frisches Wasser zur Verfügung steht und dass auch der Wassernapf regelmäßig gereinigt wird. Dies ist eine Aufgabe, die auch ein noch recht junges Kind (unter Anleitung und Aufsicht) bereits verantwortungsvoll übernehmen kann.


Grundregeln zu fixieren, hilft dabei, dass bei der Erziehung alle am gleichen Strang ziehen:

  • Wo wird der Schlafplatz des Kromis eingerichtet? 
  • Darf der Palaneri in jeden Teil des Hauses oder gibt es Tabu-Zonen (Bad, Kinderzimmer, Speisekammer,...)?
    Wie du diese durchsetzt, erkläre ich dir im geschlossenen Teil des Palaneri-Eltern-Forums.
  • Darf der Palaneri aufs Sofa? Oder ins Bett? Unter welchen Bedingungen? (Einladung durch den Menschen. Wenn eine bestimmte Decke da liegt. ...)
  • Darf er vom Tisch gefüttert werden? (Bedenke die Gefahr des Bettelns.)
  • Darf er zur Tür rennen und bellen, wenn es klingelt?
  • Darf er aus der Tür rennen, wenn diese offen steht?
  • Soll er sich hinsetzen und Blickkontakt aufnehmen, bevor er fressen darf?
  • ...

Überlege dir einfach, was dir wichtig ist, damit dein Zusammenleben mit dem Hund für alle Beteiligten harmonisch abläuft. 


Der Bart eines rauhaarigen Kromis sollte täglich gekämmt werden, damit er nicht zu sehr verknotet und verklebt. Auch sollte - am besten nach jedem Spaziergang - nach Parasiten (vor allem Zecken) geschaut werden.

 

"Augenpopel" müssen regelmäßig aus den Augenwinkeln entfernt werden.

 

Wo wir schon  mal dabei sind, sollten auch die Ohren regelmäßig angesehen und bei Bedarf gereinigt werden.

 

Ist das Fell etwas länger und/oder wuschelig, sollte der Kromi mindestens einmal wöchentlich ausgekämmt werden. Das kann jedoch durchaus auch häufiger erforderlich sein, damit er gepflegt aussieht.

 

Wer duscht oder badet ihn, wenn es erforderlich ist?

 

Wer vereinbart die Termine beim Hundefriseur und nimmt sie wahr, sofern dies erforderlich ist?

 

Wer prüft regelmäßig die Länge der Krallen und kürzt sie gegebenenfalls?

 

Wer kontrolliert die Zähne?

 

Wer kümmert sich um die regelmäßigen Tierarztbesuche? (Impfen, Kotuntersuchungen, Entwurmung,...)


Natürlich hoffen wir alle, dass der Fall der Fälle niemals eintreten möge! Aber trotzdem: Das Leben schlägt manchmal merkwürdige Wendungen ein und darauf solltest du vorbereitet sein. Und glaube mir: Du brauchst nicht nur einen Plan B!

 

Was ist, wenn du einen wichtigen Termin hast, zu dem dich dein Palaneri nicht begleiten kann, aber auch alle anderen Familienmitglieder unterwegs sind? Hast du eine "Nanny", die dann zu dir nach Hause kommen und auf den Lütten aufpassen kann?

 

Was ist, wenn du mal zu einer Tagung oder einer Fortbildung musst? Kennst du verlässliche, liebevolle Menschen, zu denen dein Palaneri gehen kann? (Wenn es passt, ist vielleicht auch ein Palaneri-Urlaub in seinem Geburtshaus möglich.)

 

Wenn alle Stricke reißen: Schau dir rechtzeitig vorher (persönlich) einige Hundepensionen oder HuTa's (Hundetagesstätten) an. Wie sind die Hunde dort untergebracht? Wie werden die Hunde ausgelastet? Ist es sauber? Sind die Betreuer liebevoll, konsequent und sympathisch?

 

Denke zurück an die vergangenen Jahre: Welche Situationen gab es noch, in denen du eine Hunde-Betreuung brauchen würdest, wenn diese Situationen noch mal eintreten würden.

 

Du brauchst auf jeden Fall mehrere Unterbringungsmöglichkeiten. Nicht immer haben andere Zeit, wenn du deren Unterstützung benötigst. Du solltest dies geklärt und mit den Personen abgesprochen haben, bevor dein Palaneri bei dir einzieht.

 

Ich habe leider selber die Erfahrung machen müssen, dass mir zuvor zwar grundsätzlich zugesagt wurde, meine Kromis auch mal zu übernehmen. Bei mir als Rentnerin ist das ja selten genug der Fall. Wenn es dann aber tatsächlich mal erforderlich wurde, hatte es bei einigen mir und meinen Hunden sehr nahe stehenden Menschen leider so gut wie nie geklappt, obwohl ich wiederum für deren Notfälle eigentlich immer parat stand. Das ist dann sehr enttäuschend. Wappne dich dagegen und suche dir rechtzeitig ganz viele Alternativen.

 

Wenn die Chemie zwischen unseren Kromis nach wie vor stimmt und es terminlich passt, können wir auch immer über einen "Urlaub" im Hause Palaneri reden.


Kinder in der Verantwortung?

Lasse deinen Kromi und (d)ein Kind niemals alleine. Hunde nehmen Kinder nicht als Führungsperson wahr. Im Gegenteil: Häufig wecken Kinder, die zum eigenen Rudel gehören einen Beschützerinstinkt, der zu unerwünschtem Verhalten des Hundes führen kann. Erst ab frühestens 14 Jahren werden Kinder so langsam von dem Hund als jemand akzeptiert, der selbst auf sich und das Rudel aufpassen kann.

 

Daher sollte immer ein Erwachsener dabei sein; vor allem bei den Gassi-Runden. Natürlich können ältere Kinder ab ungefähr 14 Jahren hier auch schon einige Verantwortung übernehmen. Es ist aber wichtig zu wissen, dass zum Beispiel die Hundehalter-Haftpflichtversicherung nicht für Schäden eintritt, wenn der Hund von einem Minderjährigen beaufsichtigt wurde. Wenn also deine 15-jährige Tochter mit dem Hund Gassi geht und der Hund springt auf die Straße, ein Auto musste scharf bremsen, ein anderes fährt drauf, tritt dafür keine Versicherung ein. Das kann richtig teuer für dich werden!

 

Oft sind Kinder, und seien sie sonst noch so cool, mit verschiedenen Situationen überfordert und die Hunde ebenso. Frage mal deinen Post- oder Paketboten: Der kann sicher erzählen, dass die brenzligsten Situationen dann entstehen, wenn Kinder mit Hunden zu Hause alleine sind und das Kind die Tür öffnet. Hunde passen häufig auf die Kinder auf und nicht selten kommt es in solchen Situationen zu Beißvorfällen.

 

Überlege dir also genau, wie auch in solchen Situationen verfahren werden soll.


Wichtig ist, dass alle die Regeln kennen und sich auch alle dran halten.

Dann funktioniert das Zusammenleben mit dem Hund am besten und macht Spaß!