Gemischtes, intaktes Rudel

Für Kabou ist das echt eine große Herausforderung. Er ist ja sowieso schon immer so eine Testosteronschleuder - und dann noch alle 5 Monate eine verführerisch riechende, dann ebenfalls sehr willige Hündin in seinem Haushalt... Das ist alles andere als leicht für ihn. Aber auch nicht für Cataleya. Und für mich ebenfalls nicht.


 

Solltest du darüber nachdenken, ebenfalls ein intaktes, gemischtes Rudel zu halten, überlege es dir bitte sehr gut. Je Läufigkeit kannst du mit mindestens 1 - 2 wirklich anstrengenden Monaten rechnen. Meine Hunde und ich haben also gerade mal 3 einigermaßen hormonentspannte Monate zwischen 2 Läufigkeiten:

  • Bereits ungefähr 3 - 4 Wochen vor ihrer Läufigkeit scheint Cataleya schon fantastische Pheromone auszustrahlen. Kabou wird dann nämlich schon "unruhig":
    • Er lässt sie nicht mehr aus den Augen.
    • Er lässt andere Rüden nicht in ihre Nähe (und "Nähe" definiert er anders, als du vielleicht gerade meinen könntest...).
    • Er fordert sie ständig zum Spiel auf ... was er nutzt, um Möglichkeiten zum Aufreiten zu provozieren.
    • Er tanzt für sie.
    • Er fordert ununterbrochen ihre Aufmerksamkeit.
    • Seine Nase klebt nur noch an Cataleyas Hinterteil
    • Er will ständig aufreiten.
  • Findet Cataleya Kabous Interesse an ihr anfangs noch toll und steigt auf seine Spielangebote ein, reagiert sie bereits im Laufe der ersten Tage immer genervter und zickiger auf Kabous Avancen.
    • Sie bellt.
    • Sie knurrt.
    • Sie entwindet sich aus seiner Umklammerung.
    • Sie schnappt ihn weg.
    • Sie springt mir "unangemeldet" auf den Schoß, um Kabou zu entkommen. (Grundsätzlich ja gar kein Problem, aber wenn ich gerade einen heißen Kaffee in der Hand halte oder so - vielleicht auch mal etwas unangenehm.)

Ich habe also schon vor der eigentlichen Läufigkeit ordentlich damit zu tun, Cataleya den nötigen Freiraum zu verschaffen und ihr Kabou "vom Hals" zu halten. 

 

Unsere Nervenkostüme werden schon mal etwas dünner...

Aber: Ich liebe meine Hunde!


Hat die Läufigkeit erst begonnen, steigt Kabous Testosteronspiegel immer weiter:

  • Er will noch öfter aufreiten.
  • Er belästigt Cataleya - wenn ich ihn lassen würde - ohne Unterlass. 
  • Er zittert.
  • Er fiept. (Immerhin jault Kabou nicht. Das sollen ja auch viele Rüden tun.)
  • Er klebt förmlich an ihr. Sie kann keinen Schritt mehr ohne Kabou tun.
  • Ein "Nein" von einer Hündin ist doch kein Nein, oder? Die meint doch bestimmt "Ja", oder? Cataleya kann anstellen, was sie will, Kabou hört nicht auf.
  • Auch mein "Nein" wird von Kabou in dieser Zeit meist nicht mehr ernst genommen. Wenn überhaupt, komme ich nur noch mit Körpersprache zu ihm durch. Meist muss ich in der Art eingreifen, dass ich Cataleya "rette" und Kabou auf Abstand halte.
  • Hundeschule - Während der Läufigkeit meist nicht erwünscht. (Seitens der Hundeschulen)
  • anderweitige Unterbringung der Hündin: läufige Hündinnen werden nahezu nirgends aufgenommen
  • Höschen anziehen und/oder ständig das Haus wischen.

Gassi-Runden werden nun auch zum "reinen Vergnügen":

  • Kabou grunzt alles an, was vier Beine hat.
  • Cataleya zickt andere Hündinnen an.
  • Gefühlt müssen beide jeden einzelnen Grashalm markieren.
  • Wird gerade nicht markiert oder gemotzt, will Kabou aufreiten.
  • Das will Cataleya nicht, also zickt sie auch ihn an.
  • Andererseits möchte sie aber so langsam auch andere Jungs darauf aufmerksam machen, dass sie bald bereit ist und es zieht sie dort hin.
  • Das will Kabou aber nicht, also wird er wütend.

... und wir kommen immer "total entspannt" von unserer Gassi-Runde zurück.

Ich liebe meine Hunde!


Und dann, ja, dann geht's ja eigentlich erst richtig los: Die Stehtage sind endlich da! HURRA!!!

  • Kabou ist nicht mehr Herr seiner Sinne. Ihn anzusprechen macht gar keinen Sinn. Selbst Anstupser realisiert er nicht mehr. Seine Pupillen sind längst schon herzförmig. Sein Hirn wird nicht mehr durchblutet, Ohren sind nicht mehr vorhanden. Er steht unter Dauerstress.
  • Cataleya, nun auch mehr als nur willig, biedert sich an und reibt ihm ihr Hinterteil unter die Nase, nur um ihn im nächsten Moment auf eine wilde Jagd durch Haus und Garten zu animieren. Ein wenig bitten lassen, möchte sie sich ja schon auch. ... nicht dass Kabou das ja nun schon seit 4 bis 5 Wochen machen würde...
  • Im besten Fall habe ich schon alles aus dem Weg geräumt, was den beiden bei ihrer irren Toberei im Wege sein könnte. Ansonsten sind Scherben vorprogrammiert.
  • Beide fressen nur noch wenig bis gar nichts und nehmen meist in der Zeit ab.

Nervenkostüm?

Nerven haben wir bis zu diesem Zeitpunkt alle schon nicht mehr...

Alle drei sind wir nun leicht reizbar, die Stimmung heizt sich in vielerlei Hinsicht auf. 

 

... und ich liebe meine Hunde so sehr!

Tatsächlich lasse ich meine beiden Schwerstverliebten nun keine einzige Sekunde mehr aus den Augen. Auch nur mal kurz die Soße im Topf umrühren und den beiden dabei den Rücken zudrehen, kann schon reichen. Nein - das Risiko einer ungewollten Trächtigkeit (Kabou ist Cataleyas Onkel!) ist es mir nicht wert.

 

Ab sofort ist absolut getrennte Haltung angesagt!

 

Zwar habe ich ein extrahohes Türgitter (für Kinder) in der Tür zwischen Wohnzimmer und Diele, was ich sogar durch ein Brett weiter erhöhe, damit die beiden hoffentlich nicht drüber springen. Sie würden es schaffen, wenn sie es versuchen würden... Aber sie könnten auch direkt durch die Absperrung zur Sache kommen. Gar kein Problem!

 

Bin ich dabei und habe ein Auge auf die beiden, dürfen Sie so Blick- und Schnüffelkontakt haben. Klingelt es an der Tür, bin ich ja eigentlich noch direkt in dem Raum mit dem Türgitter. Trotzdem - die Wohnzimmertür wird geschlossen, wenn ich zur Tür gehe: Keinerlei Hundekontakt ohne Frauchens Blick darauf!

 

Spätestens jetzt braucht es einiges an Organisation:

  • Räumlich getrennte Haltung der Hunde bei Tag und bei Nacht. Jede einzelne Sekunde lang.
  • Muss ich das Haus verlassen, muss mich einer der beiden immer begleiten. Arztbesuche oder Ähnliches sind in dieser Zeit also definitiv nicht möglich. 
  • Getrennte Gassi-Runden. Also nicht mindestens 3x täglich eine ordentliche Runde, sondern mindestens 6x. => Damit sind schon mal mehrere Stunden des Tages dahin.
  • Kein Freilauf mehr für die Hunde: Kabou würde sofort nach Hause zurück rennen und Cataleya würde alle möglichen Rüden im Dorf besuchen.
  • Treffen mit Hundefreunden sind nicht (stressfrei) möglich.
  • Treffen mit anderen Freunden vermeidet man auch, denn die zwei zurzeit sehr stressigen und gestressten Tiere kann man eigentlich niemanden antun.

... und ich liebe meine Hunde immer noch so sehr!


Sind die Stehtage wieder vorbei wird Cataleya wieder sehr deutlich in ihren Ansagen Kabou gegenüber. Er braucht aber meist noch ein paar Tage, um zu realisieren, dass auch diese Gelegenheit vorbeigezogen ist, ohne dass er zum Zuge kommen konnte, was noch bis zu eine Woche lang zu Gezanke zwischen den beiden führen kann.

 

Dann brauchen wir alle erst mal Ruhe und Erholung sowie ganz viele Gruppenkuschel-Stunden.

Ich liebe meine Hunde noch viel mehr!


Übrigens:

Der tolle Geruch, den die Hunde (also auch alle fremden) wahrnehmen, haftet Cataleya durchaus noch weitere 4 - 8 Wochen an. Das heißt, draußen muss ich sie noch weiter vor aufdringlichen Rüden beschützen. Ich bin sehr dankbar, dass Kabou darauf nicht mehr reagiert. Sonst hätten wir nur einen Monat Entspannung, bevor der ganz Zirkus wieder von vorne beginnt...

 

Allerdings dreht er ungefähr 8 - 9 Wochen nach den Stehtagen erneut am Liebesrad. Das ist der Zeitpunkt, zu dem der Wurftermin anliegen würde, wenn Cataleya belegt worden wäre. Ganz offensichtlich durchläuft auch eine nicht trächtige Hündin dann einen Hormonwechsel, der - zumindest für Kabou - wieder sehr stimulierend riecht.

 

Eine weitere anstrengende Woche für uns drei...

Ich liebe nix mehr als meine Kromis!