Rüde oder Hündin?

Eine sehr wichtige Frage für viele Interessenten.

Hündinnen gelten gemeinhin als sanfter, leichter erziehbar, anhänglicher, verschmuster und folgsamer als Rüden. Rüden hingegen werden schnell in die Schubladen dominant und schwierig gesteckt.

 

Aber stimmt das wirklich?

Hündin

Gegen ein Hündin spricht für viele, dass sie ungefähr zweimal jährlich läufig werden. Das geht oftmals einher mit:

  • verändertem Verhalten der Hündin
  • Blutung und daher auch verschmutzte Liegeplätze und Teppiche
  • Höschenkauf
  • mehr Wäsche
  • häufigeres Wischen der Bodenbeläge
  • liebestolle Rüden vor der Haustür
  • keinen Freilauf (also Leinenpflicht) zumindest während der Stehtage, besser aber während der gesamten Läufigkeit
  • externe Unterbringung oftmals nicht möglich:
    Sowohl Hotels, Ferienwohnungen also auch HuTa's (Hundetagesstätten) nehmen meist keine läufigen Hündinnen auf!
  • bei Hundeschul-/ Hundevereinsveranstaltungen während der Läufigkeit häufig unerwünscht.
  • Turniere und Ausstellung erweisen sich als schwierig bis unmöglich; manchmal sind läufige Hündinnen auch hiervon ausgeschlossen!

Nach ungefähr neun Wochen wird jede Hündin scheinträchtig. Eigentlich ist es eher eine Scheinmutterschaft. Eine erneute Hormonschwankung. Nicht bei jeder Hündin ist dies so ausgeprägt, dass der Mensch es mitbekommt:

  • Spielzeuge werden bemuttert, gekuschelt umhergetragen, hin und wieder sogar beschützt
  • manche Hündinnen produzieren sogar Milch
  • Viele Hündinnen sind in dieser Zeit unruhiger, gereizter, bissig und appetitlos.

Hündinnen bleiben meist etwas kleiner, leichter und zierlicher als Rüden. Was für den einen eher positiv zu bewerten ist, sehen andere eher negativ. Ich finde den Unterschied bei Kromfohrländern nicht so nennenswert groß: Cataleya und Kabou sind sowohl in Größe und Statur als auch im Gewicht nahezu gleich.

 

Allerdings haben Hündinnen nichts mit dem "schwachen Geschlecht" gemein. Sie sind häufig selbständiger und raffinierter als Rüden. Viele Hündinnen verhalten sich meist dominanter anderen Hunden gegenüber als Rüden. Gerade wenn es um ihr Rudel, ihr Heim, ihre übliche Gassi-Strecke und so weiter geht, können Hündinnen durchaus  sehr "rüde" sein.

 

Hündinnen zeigen in der Regel seltener die Zähne als Rüden. Sie sind clever und brauchen häufig keine Gewalt, um ihren Willen durchzusetzen. Sie taktieren, arbeiten viel körpersprachlich und setzen gezielt auch Menschen ein, um Macht über den anderen Hund zu gewinnen.

 

Wenn sich Hündinnen jedoch mal streiten, geht es dort oftmals mehr "zur Sache" als bei Rüden. Ressourcenverteidigung kann sowohl bei Hündinnen als auch bei Rüden ein Thema sein. Da ist der Mensch als Erzieher gefragt.

 

Häufig sind Hündinnen etwas aufmerksamer und konzentrierter bei der Sache und lernen daher vielleicht manchmal auch etwas schneller; jedoch keinesfalls, wenn sie "hormonell belastet" sind. Dann ist die Zusammenarbeit durchaus auch mal als schwierig zu bezeichnen: zickig, launisch, ungeduldig, ungnädig,...

 

Oft sind Hündinnen wachsamer veranlagt als Rüden. Territorial veranlagt sind Kromis jedoch generell; also sowohl Hündinnen als auch Rüden. Auch da ist wieder konsequente Erziehung angesagt.

 

Das Hündinnen verschmuster sein sollen als Rüden, kann ich nicht bestätigen. Meines Erachtens ist hier entscheidend, wie es sie als Welpen erlebt haben. Schon beim Züchter, aber auch danach im neuen Zuhause. Mein Kabou ist mindestens genauso verschmust und kuschelig veranlagt wie meine Cataleya.

 

Hinzu kommt auch hier die individuelle Veranlagung der Hunde: Es gibt Hündinnen, die einen großen Individualabstand benötigen und Streicheleinheiten eher als Strafe empfinden. Und es gibt Rüden, die den ganzen Tag am Menschen kleben und gekrault werden wollen.

Rüden

Rüden, und vor allem Kromi-Rüden, sind häufig ausgesprochene Machos: Nach außen knallhart und innen butterweich. Sie wollen bewundert werden und gockeln entsprechend vor Hündinnen - aber auch vor anderen Rüden - umher. Das provoziert gern auch mal die Konkurrenz. Da Rüden meist weniger taktieren, lassen sie sich schneller mal zu lautstarken Schaukämpfen (Kommentkämpfe) hinreißen. Dabei überschätzen sich Kromi-Rüden auch gern mal und neigen hin und wieder zum "Größenwahn". Dies kann man jedoch mit der richtigen sowie konsequenten Erziehung von Anfang an und vielen positiven Hundekontakten in die richtigen Bahnen lenken.

 

Im Gegensatz zu Hündinnen werden Rüden zwar weder läufig noch ungewollt trächtig, aber sie sind dafür ganzjährig paarungswillig. Wann immer sie der Spur einer läufigen Hündin begegnen, werden sie interessiert Ausschau halten, wo sich die Herzensdame wohl gerade aufhalten mag. Das ist eine der wenigen Situationen, in denen auch ein Kromi mal abhauen könnte. Sonst lassen sie ihre Menschen ja eher nicht aus den Augen.

 

Aber auch läufige Hündinnen streunen gerne mal durch die Gegend und schauen sich nach potenziellen Partnern um. Cataleya zum Beispiel ist dann eine richtige Ausbrecherkönigin: Einmal ist sie mir schon über den Zaun gesprungen und sie hat bereits zwei Stofffaltboxen geschrottet, um diesen zu entkommen.

 

Optisch wirken Rüden meist kräftiger und muskulöser als Hündinnen und machen daher vielleicht auch mehr her? Wie gesagt, wenn man nicht gerade zwei Extreme miteinander vergleicht, empfinde ich den Unterschied bei Kromis nicht so wesentlich.

 

Viele Menschen nervt, dass Rüden ständig "Zeitung lesen" und markieren. Ich finde ja, das gehört ein Stück weit zum Hundsein dazu. Wir daddeln ja auch ständig auf unserem Handy herum. Aber ich kann meinem Rüden auch beibringen, dass Bänke, Laternenpfähle, Hauswände, Zäune, ... nicht zum Markieren gemacht sind. Und beim angeleinten Gassi-Gang entscheide sowieso ich, wo gepieselt wird und wo nicht.

 

Und wenn du glaubst, mit einer Hündin hättest du dieses "Problem" nicht - weit gefehlt! Gerade Kromi-Hündinnen zeigen sich sehr häufig als "Rüdinnen", die mindestens genauso gern herumschnüffeln und ganzjährig ähnlich oft markieren  (oft sogar mit erhobenen Bein) wie die Rüden.

Fazit

Die häufig genannten, verallgemeinernden Ansichten (Vorurteile?) über Rüden und Hündinnen stimmen meist nicht bzw. treffen auf das jeweils andere Geschlecht ebenfalls zu. Liebevolle aber sehr konsequente Erziehung benötigen beide.

 

Ein Rüde ist meist während der Pubertät etwas schwieriger zu händeln. Hat man diese Phase jedoch erfolgreich hinter sich gebracht, sind Rüden meist recht konstant in ihrem Hormonlevel und Verhalten. Bei Hündinnen schwankt dies mit jeder Läufigkeit & Scheinträchtigkeit ein Leben lang.

 

Wenn du nicht bereits durch den Wunsch, selber mit einer Hündin Welpen aufzuziehen oder mit einem fitten Rüden die Zucht zu unterstützen, festgelegt bist, solltest du hinsichtlich des Geschlechts des Welpens vielleicht besser offen bleiben:

  1. weiß man nie, wie viele Hündinnen und wie viele Rüden bei einem Welpenwurf dabei sind.
  2. solltest du meines Erachtens viel mehr darauf achten, welche individuellen Charaktereigenschaften der/die Lütte zeigt und welches Verhalten besser zu dir und deinem Leben passt.

Achte neben der Erziehung auch darauf, welche Bedürfnisse dein Hund hat und passe deine/eure Unternehmungen und Ziele daran an. Dann wirst du mit deinem Hund glücklich werden - unabhängig davon, ob es eine Hündin oder ein Rüde ist.

PS:

Eine Kastration ist niemals Lösung, um unerwünschtes Verhalten zu beseitigen.

Hunde-Erziehung hingegen schon!


Wenn du bereits einen Hund hast, lies bitte zur Entscheidungsfindung auch meine Erfahrungen zum gemischten Rudel.